Alles für das perfekte Foto

„Hierher gucken und einen Knutschmund machen“, ruft eine Mutter ihrer Tochter im Grundschulalter zu. Die Kleine steht in einem Glaskasten, auf den ein Fisch gemalt ist. Ein Tippen aufs Smartphone, Bild im Kasten. Tochter küsst Fisch. Ist ja zu niedlich!

Die Street-Art-Ausstellung „Magic City“ eignet sich super für Fotos. Sie soll bunt und peppig daherkommen, modern und cool wirken – so scheint es. Die Veranstalter haben auf Instagram, Facebook und Co. ordentlich Werbung geschaltet. Dazu gibt es eine schicke Website, sodass alles möglichst hip und professionell aussieht.

Auf den ersten Blick wirkt die Ausstellung cool und interaktiv. Die Kunstwerke kann man fast immer anfassen oder in sie hineingehen. Man kann Tafeln umklappen und mit einem Perspektivwechsel neue Dinge entdecken. Vieles ist gut aufgezogen. Aber leider fehlt es an Tiefe. Ein digitaler Multimedia-Guide soll Informationen über die Werke liefern. Das tut er – in äußerst kurzer Form. Auf dem Gerät, das einem Smartphone ähnelt, erhält man ein paar triviale Infos über Künstler, Werk und Technik. Unter jedem Punkt stehen drei Sätze, sodass man kaum etwas lernt. Besonders bei dem Punkt Kunstwerk wird das Offensichtliche beschrieben. „Ein Kontrast zwischen warmen und dunklen Farben“, liest man. Und denkt: „Ach nee!“

Mit Hintergrundinformationen sind die Macher sparsam. Die Interpretation wird dem Betrachter überlassen. Viel wichtiger scheint es zu sein, das perfekte Foto zu machen – für Instagram, Snapchat oder die Oma. Diesem Eindruck kann man sich schwer erwehren. An fast jedem Werk gibt es eine kleine Tafel, die zeigt, wie man sich selbst in das Werk integrieren kann. Auf dem Boden kleben rote Punkte. So kann sich der Fotograf richtig positionieren. Auch das richtige Hashtag steht dabei: #magiccitylife. Knips und ab ins Internet damit! Hauptsache ist, man küsst einen Fisch oder hält einen riesigen Pinsel. Die optische Illusion soll perfekt sein. Die Aussage hinter den Werken ist Nebensache. Die Macher der Ausstellung haben damit einen Nerv getroffen: Die Fotografieranleitung wird von den meisten gut angenommen. Nur einige Leute schauen sich die Malereien und Graffiti genauer an.

Wer den Studentenrabatt nutzen möchte, muss am Freitag oder Samstag in die Ausstellung. Dann kostet das Ticket 8 anstatt 14 Euro. An diesen Tagen ist es auch voll. Immerhin gibt es einen Hinweis auf der Website: „Wer die Ausstellung ganz entspannt erleben will, kommt mittwochs, donnerstags oder zu unseren späten Öffnungszeiten freitags und samstags.“ Überliest man das, zwängt man sich vorbei an Kinderwagen und Menschenansammlungen. Am Ausgang klebt ein Zettel an der Tür: Wegen der großen Nachfrage noch bis 12. März geöffnet. Es bleibt also noch etwas Zeit für einen Besuch in der Zeitenströmung Dresden, bei dem man ein schönes Foto für Instagram machen kann.

Text: Sabrina Winter

Foto: Amac Garbe

 

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