Das Klima unter Trump

Allen Skandalen, Protesten und “Twitter Wars” zum Trotz: Nach 18 schmerzhaft langen Monaten Wahlkampf wird am 20. Januar Donald J. Trump als 45. Präsident der USA vereidigt. Gegen 16 Kontrahenten in der eigenen Partei, so viele wie seit 100 Jahren nicht, war es ausgerechnet er, der sich durchsetzte. Trump wird es sein, dessen Name auf eine Ebene gehoben wird mit denen von George Washington, Abraham Lincoln und John F. Kennedy.

In Oklahoma, im mittleren Süden der USA, gewann Trump mit deutlichem Vorsprung vor Clinton. Oklahoma war einer von wenigen Bundesstaaten, in dem auch in jedem Unterbezirk ausnahmslos Trump das Rennen machte — selbst in Großstädten und Universitätsstädten, wo ansonsten oft Clinton gewann. Studenten an der University of Oklahoma, der größten Universität des Bundesstaates, waren nach der Wahl jedoch besorgt über die Folgen. “Amerika hat immer noch ein Rechtssystem. Vielleicht werden sich ein paar Dinge verändern, aber verrückt wird es nicht”, zitiert die örtliche Studentenzeitung OU Daily Ricardo Fraga, einen venezolanischen Studenten. Auch die Haltung seiner Landsleute zu den USA werde sich nicht verändern, schätzt er, trotz der sozialistischen Prägung Venezuelas. Andere hatten konkretere Bedenken. “Kann ich im Januar auch ohne Probleme wieder einreisen?”, fragte bei einer Info-Veranstaltung für internationale Studenten im Dezember ein iranischer Student mit Blick auf die Weihnachtsferien. Solange er vor dem 20. Januar zurückkomme, sollte es keine Probleme geben, so die vage Antwort der Leiterin der International Student Services. Amerikanische Studenten, die das Herbstsemester (von August bis Dezember) im Ausland verbracht hatten, überraschte der Wahlausgang genauso wie viele im Land. “Ich fühle mich irgendwie leer, ehrlich gesagt”, sagte Bachelorstudentin Holly Crawford der OU Daily. Sie sei vor allem besorgt um ihre Kommilitonen mit Migrationshintergrund.

Dass und wie Trump gewonnen hat, das wird Wissenschaftler noch Jahre beschäftigen. Seine rassistischen Äußerungen über Mexikaner, seine Beleidigungen, seine beispiellosen Twitter-Attacken, Ablenkungsmanöver, Ausrutscher und Skandale haben ihm nicht geschadet, ebenso wenig sein Gutheißen von Folter, Diktatoren und der Gewalt auf seinen Wahlveranstaltungen. Die Reaktionen nach der Wahl nahmen zum Teil extreme Formen an, auch an Hochschulen. Trump-Gegner wie -Unterstützer wurden angegriffen oder aus Vorlesungen geworfen. An der University of Oklahoma entfernten verärgerte Dozenten Flugblätter rechtsextremer Organisationen, die von Partnerschaften zwischen Schwarzen und Weißen warnten und behaupteten, Intelligenz hänge von der Rasse ab.

Was Trumps Sieg in den USA für Außenpolitik, Umweltschutz und Wissenschaft bedeutet, das ist schwer zu sagen, nicht zuletzt wegen seiner widersprüchlichen Aussagen zu Iran, Extremismus, Mexiko, Nato oder zum Klimawandel und konträrer Meinungen einiger seiner ausgewählten Minister. Seine Ministerfavoriten — ein Ex-Marine-General als Verteidigungsminister und ehemalige Ölbosse als Außen- und Energieminister — lassen jedoch wenig Gutes erahnen. Doch selbst Entscheidungen, die Trump an Tag 1 seiner Präsidentschaft trifft, können Monate oder Jahre in der Schwebe bleiben, bis sie in Kraft treten, zum Beispiel das Austreten aus dem Pariser Klimaabkommen.

Öffentliche Forschungsförderung und Stellenfinanzierung, von der die meisten Doktoranden und Masterstudenten leben, hängen stark von Zielen einer Regierung ab. Staatliche Klimainstitute waren zuletzt eilig daran, genehmigte Stellen vor dem 20. Januar zu besetzen, aus Angst vor einem Einstellungsstopp. Mit neuen Prioritäten könnte sich auch die Förderung zum Beispiel im Bereich Klimawandelforschung ändern, schreibt Ethan Coffel, Doktorand an der Columbia University in New York. Gleichzeitig könnten Organisationen, die den Klimawandel abstreiten, Aufwind bekommen. Mehrere Organisationen sind gerade dabei, weltweit genutzte US-Klimadatensätze im Ausland zu speichern, aus Angst deren Zugang könnte durch Beschlüsse der Trump-Regierung erschwert werden. Letztendlich, schreibt Coffel, müssten Forscher, besonders im Bereich Klimawandel, auch stärker für ihre Arbeit einstehen, um Gehör zu finden und Beachtung zu erhalten und nicht in der Masse unterzugehen.

Update vom 30.1.2017:

Seit seiner Vereidigung unterzeichnete Präsident Trump insgesamt 6 Executive Orders. Das sind Handlungsanweisungen an Regierungsbehörden, die ohne Zustimmung des Kongresses gültig sind.

Die neueste Anordnung wurde am 27. Januar unterzeichnet, trat in der folgenden Nacht um 0 Uhr in Kraft und verbietet Bürgern aus sieben islamischen Ländern die Einreise in die USA, zum Zweck der Terrorbekämpfung. Tausende protestierten an vielen US-Flughäfen im Angesicht persönlicher Tragödien und widersprüchlicher Interpretationen der Anordnung im Laufe des Wochenendes. Auch ausländische Wissenschaftler an US-Universitäten und wissenschaftliche Forschung selbst sind bereits betroffen. Zahlreiche Universitäten veröffentlichten Statements gegen den Beschluss, unter anderen die University of Oklahoma, an der derzeit 113 Studenten aus den sieben betroffenen Ländern immatrikuliert sind. Ob und wie viele von ihnen direkt betroffen sind ist noch unklar.

In der Nacht zum 29. Januar ordnete eine Bundesrichterin in New York in einem Eilverfahren an, die Anordnung als verfassungswidrig vorerst auszusetzen. Die Trump-Regierung hält dagegen weiter an ihr fest.

Text und Fotos: Toni Klemm

Toni Klemm studierte von 2004 bis 2011 Geographie an der TU Dresden. Seit 2012 promoviert er an der University of Oklahoma in der Nähe von Oklahoma City im US-Bundesstaat Oklahoma. Seine Forschung beschäftigt sich mit den Bereichen Klimaanpassung und Landwirtschaft.

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