Campuskolumne

Im Dezember, kurz vor Weihnachten, stand ich in einer Buchhandlung. Vor mir lagen Weihnachtsbücher, unter ihnen eines mit Geschichten von Erich Kästner. Ich habe es genommen, durchgeblättert und schließlich gekauft. Das hat mich selbst ein wenig verwundert, denn auf Erich Kästner bin ich zuvor nur einmal in meinem Leben gestoßen. Das war in der fünften (oder sechsten?) Klasse, als wir im Deutschunterricht „Das fliegende Klassenzimmer“ besprochen haben. Damals fand ich das nur semispannend. Aber als ich neulich seine Texte las, dachte ich: Der konnte verdammt gut schreiben!

Mit der Pflichtliteratur in der Schule war das so eine Sache. Sie war meistens doof, manchmal ganz okay und selten gut. Oft hat man sich durchgequält und gefragt, ob die Leute mit Absicht so furchtbar kompliziert schreiben, nur um die Generationen nach sich zu quälen.

Manchmal habe ich die Werke einfach nicht gelesen. Man hatte ja auch immer anderes zu tun! Aufgeflogen ist das zum Glück nie. Im Gegenteil: In der achten Klasse erreichte das Ganze einen ironischen Höhepunkt. Wir haben im Deutschunterricht eine Klassenarbeit über ein Drama gelesen, das ich nur stellenweise überflogen hatte. Meine beste Freundin saß damals immer neben mir. Sie hatte das Buch gelesen und bekam in der Klassenarbeit eine 2. Ich, die es nicht gelesen hatte, bekam eine 1. Ganz schön unfair! Ich hatte dann wochenlang ein schlechtes Gewissen, aber unserer Lehrerin konnten wir das ja nicht sagen. Auch danach habe ich so manches Buch nur teilweise gelesen. Wenn man wusste wie, dann konnte man sich um das lästige Lesen drumherummogeln.

Heute finde ich das gar nicht mehr so gut. Denn einige Autoren sind es wirklich wert, gelesen zu werden. Vor zehn oder fünf Jahren wäre es mir nie in den Sinn gekommen, mehr als die Pflichtliteratur für den Deutschunterricht in die Hand zu nehmen. Vor Kurzem bin ich dann zur SLUB gegangen: Dort habe ich mir ein Buch von Erich Kästner ausgeliehen.

Text: Sabrina Winter

Foto: Amac Garbe

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