New Orleans: die geheimnisvolle Stadt

Nach dem Hurricane Katrina war New Orleans zerstört. Inzwischen ist das Leben in die ehemalige Geisterstadt zurückgekehrt. Mit ihrem verruchten Image wird sie bei Touristen immer beliebter. Über einen Ort, der keinen Glanz versprüht, aber Charme.

Auf dem Flug nach New Orleans erzählen gleich zwei Amerikanerinnen, wie gefährlich es dort sei. „Geht am besten nur ins French Quarter – nirgendwo anders hin“, rät eine von ihnen. New Orleans hat durch den Hurricane Katrina Berühmtheit erlangt. Er überflutete im August 2005 fast die gesamte Stadt und tötete zwischen 1.100 und 1.800 Menschen. Wie viele es genau waren, ist bis heute nicht klar. Das von der Dame erwähnte French Quarter ist der älteste Stadtteil von New Orleans. Besonders durch Filme ist es bekannt geworden. In dem Viertel reihen sich bunte Häuser aneinander, viele von ihnen haben Balkons mit verzierten Eisengeländern – eines schöner als das andere. Die Häuser sind im französischen und spanischen Kolonialstil erbaut und in ihnen tummeln sich Bars, Clubs, Cafés und Geschäfte.

Die Stadt umgibt eine mystische Atmosphäre. Sie versprüht nicht gerade Glanz, aber Charme. Oft verhängen Wolken den Himmel. Das Wetter ist warm und feucht – typisch für die Subtropen. In fast jedem Touri-Shop lachen einen Voodoo-Puppen seltsam an. Natürlich ist sich die Stadt ihres geheimnisvollen Images bewusst. An jeder zweiten Ecke laden Plakate zu einer „Ghost Tour“ ein. Wer das Geld sparen will, sollte einfach auf einen Friedhof gehen. Friedhöfe sind in New Orleans nämlich spannend! Da die Stadt unterhalb des Meeresspiegels liegt, kann man niemanden unter der Erde verbuddeln. Also werden die Verstorbenen in Gruften gelegt. Über einen Friedhof spazieren, das bedeutet in New Orleans durch eine kleine Stadt aus gemauerten Gräbern zu schlendern. Diese sind manchmal schön, manchmal bizarr und manchmal haben sie deutsche Inschriften. Auf dem berühmten Saint Louis Cemetery No. 1 hat sich der Schauspieler Nicolas Cage eine Grabpyramide bauen lassen. Noch ist sie leer. Wer den Friedhof betreten will, muss eine Führung buchen – kostenpflichtig natürlich.

New Orleans hat nicht nur den Ruf, geheimnisvoll zu sein, sondern auch gefährlich. Davon hatten die Frauen im Flugzeug gesprochen. Die ältere Dame hinter dem Tresen der Touristeninformation bestätigt das. Sie sagt: „Nehmt auf jeden Fall ein Taxi, wenn Ihr im Dunkeln nach Hause wollt!“ Wenn man erzählt, dass man im St Vincent’s Guest House eingecheckt hat, lächelt sie und sagt: „Eines der schönsten Hostels hier.“ Der eine oder andere würde es hingegen für eine ziemlich abgeranzte Unterkunft gehalten. Alte Teppiche, fleckige Wände und lose Deckenplatten sprechen für sich. „Nun ja, wir haben bei Hostels andere Standards als Ihr in Europa“, erklärt die Dame.

Doch ist New Orleans wirklich so gefährlich? In der Tat ist die Kriminalitätsrate deutlich höher als in anderen US-amerikanischen Großstädten. Doch das hält nicht davon ab, am Samstagabend feiern zu gehen. Die Bourbon Street im French Quarter ist die bekannteste Adresse dafür. Sie verwandelt sich nach Einbruch der Dunkelheit in eine Mischung aus Partymeile und Rotlichtviertel. Aus den zahlreichen Bars klingt Livemusik, auf den Balkons tanzen Menschen und blinkende Schilder laden in die Clubs ein. Das Nachtleben von New Orleans ist wenig mystisch, dafür ausgelassen. Einige Bars sind zweistöckig. Dann kann man von den schönen Balkongeländern die Straße hinabschauen: Dort herrscht ein Kampf zwischen Himmel und Hölle. Jemand hat ein riesiges Kreuz gebastelt und „Street Church“ darauf geschrieben. Das Kreuz steht mitten auf der Straße und der Prediger zitiert Bibelstellen, verstärkt durch ein Mikrofon. Neben ihm demonstrieren Leute gegen die Straßenkirche. Eine Frau mit nacktem Oberkörper kommt dem Prediger immer näher. Er weicht zurück.

Am besten lässt man sich von Bar zu Bar treiben. An einigen Stellen werfen Leute bunte Plastikperlenketten von den Balkons auf die Straße. Das ist eigentlich eine Tradition zum Faschingsdienstag. Inzwischen wird sie aber das ganze Jahr über ausgelebt. Irgendwann in der Nacht macht man sich dann auf den Weg nach Hause – mit einem Taxi, wie empfohlen.

Nach Katrina sei die Stadt jünger und weißer geworden, schreibt der Tagesspiegel. Große Teile der ärmeren Stadtbevölkerung sind nach dem Hurricane nie zurückgekehrt. Dafür nahm der Tourismus zu. Das bestätigen auch Amerikaner, mit denen man sich unterhält. Die Stadt sei heute schöner und weniger gefährlich, sagen sie. Auch am letzten Tag in New Orleans ist es schwül und der Himmel wolkenbehangen. Neben dem French Quarter sind auch der Garden District, Uptown und andere Stadtteile sehenswert. Gefährliche Situationen gibt es keine. Durch die Touri-Brille sehen Orte ja oft etwas anders aus.

Reiseservice:

Hinkommen: Für rund 700 Euro fliegt man zum Beispiel mit KLM Royal Dutch Airlines und Delta Air Lines von Berlin aus hin und zurück, dabei muss man mindestens einmal umsteigen.

Rumkommen: Am besten Laufen. Für weite Strecken kann man den Bus nehmen oder mit dem roten Streetcar (Straßenbahn) unter Alleen entlangtuckern. Eine Fahrt kostet jeweils 1,25 Dollar.

Essen: Po‘ Boy Sandwich probieren – am besten mit Shrimps gefüllt. New Orleans Küche ist französisch und kreolisch beeinflusst. Crepês und Waffeln schmecken daher sehr gut. Pralinen und Pecanuss-Kuchen sind ein Muss.

Text und Fotos: Sabrina Winter

 

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